Erst kürzlich forderte die FPÖ Vorarlberg den Öffentlichen Personennahverkehr in Vorarlberg zukünftig zum Nulltarif anzubieten. Diese Forderung mag zwar sehr populär sein, ist allerdings aus mehreren Gründen nicht erstrebenswert:
- Eines der FPÖ Argumente ist der Umweltschutz. Ein gratis Verkehr würde demnach mehr Personen zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen. Tatsächlich wurde in Liechtenstein der Nulltarif in den 90ern getestet und schon nach einem Jahr wieder abgesetzt. Denn nur ein gutes Angebot mit attraktivem Takt und Fahrzeiten gewinnt Kunden für den ÖPNV. Nicht aber der Nulltarif!
- Der Nulltarif würde mindestens 15 Millionen Euro an Subventionen kosten. Dabei handelt es sich um Steuergeld. Über einen Umweg zahlt damit natürlich weiterhin jeder den Verkehr mit.
- Die Einnahmen aus den Kartenverkäufen machen zwar nur einen Teil der Finanzierung des ÖPNV aus, sind aber selbst beim Landbus Unterland in Millionenhöhe. Man kann davon ausgehen, dass die kolportierten 15 Millionen Euro, eher niedriger bemessen sind, als die Erlöse aus den Verkäufen.
- Investieren statt Abgleichen: Tatsächlich kann der ÖPNV 15 Millionen Euro gut gebrauchen! Als zusätzliche Investition um das Angebot zu verbessern.
Es ist tatsächlich notwendig den ÖPNV in Vorarlberg und der Region noch besser zu gestalten. Dazu gehören einerseits tarifliche Maßnahmen, d.h. Ausweitung des Jugendtarifs bis 26 Jahre wie bei den ÖBB, noch günstigere Dauer- und Zeitkarten, Rabatt- bzw. gratis-Aktionen an Tagen mit hoher Verkehrsbelastung etc. Andererseits muss auch das Angebot weiter verbessert werden:
- 15 Minuten Takt zwischen Bregenz - Feldkirch (- Bludenz) auf der ÖBB Strecke unter Tags.
- Ab Abend bessere und längere Zugverbindungen zwischen Bregenz - Feldkirch. Mindestens bis 2.30 Uhr.
- Durchgehender Takt zwischen Bregenz - St. Margrethen. Mindestens stündlich, zu Stoßzeiten halbstündlich.
- Bau der S-Bahnverbindung Buchs - Feldkirch.
- Busangebot in den Abendstunden weiter ausbauen und verdichten.
- Grenzüberschreitenden Busverkehr verbessern. Neue Linien nach Heerbrugg und Rheineck. Besserer Verkehr zwischen Lindau und Lochau.
- Überregionaler Zugverkehr Richtung Innsbruck durch 2-Stunden REX Takt verbessern.
Alle diese Maßnahmen würden den ÖPNV erheblich verbessern und wären teilweise ohne größere Investitionen leicht zu erreichen. Aber auch der Service sollte sich verbessern. Die Kompetenzen des Verkehrsverbund Vorarlberg müssen gestärkt werden und eine landesweite Hotline und Servicestelle für sämtliche Kundenanliegen eingerichtet werden.
Die Forderung nach Nulltarif ist populistisch und bringt keine wirkliche Verbesserung für ÖPNV NutzerInnen.